OB Wolfgang Schuster will Stuttgart zur kinderfreundlichsten Großstadt Deutschlands machen. Ein unterstützenswertes Projekt. Kinderfreundlichkeit ist aber mehr als nur mehr Spiel- und Hortplätze. Kinderfreundlichkeit heißt, die Lebensbedingungen in der Stadt für junge Familien insgesamt zu verbessern und bezahlbaren Wohnraum für Lebensgemeinschaften mit Kindern zu schaffen. Die Stadtplanung muss sich auf die Bedürfnisse von Kindern und Eltern einstellen. Nutzungsgemischte Quartiere in der Stadt sind auch aus diesem Grund die Zukunft.
Eine kinderfreundliche Stadtplanung kommt nicht umhin, dem Straßenverkehr Flächen zu entziehen und den Menschen zurückzugeben.
Dies gilt insbesondere für den ruhenden Verkehr, der die dicht bebauten
Innenstadtquartiere faktisch besetzt hält.
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Tempo 30 in
allen Wohngebieten, eine Vervielfachung der Anzahl an Spielstraßen und die Errichtung von Quartiersgaragen sind
deshalb notwendige Voraussetzungen für eine kinderfreundliche Stadt.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Stadt zu fördern ist zweifellos eine der wichtigsten Aufgaben der Stadt im Bereich sozialer Infrastruktur. Trotz lobenswerter Verbesserungen sind Kinderhortplätze und Ganztageseinrichtungen vom Kindergarten bis zum Gymnasium noch immer Mangelware. Hier werde ich einem raschen Ausbau finanziell Priorität geben und den bereits eingeleiteten Prozess weiter beschleunigen.
Kinderfreundlichkeit heißt jedoch nicht, wegen eines vermeintlichen Kindermangels und finanzieller Schwierigkeiten der Sozialversicherungen eine neue Kinderpflicht zu propagieren, die Kindertagesstätten zum Ersatz für Mütterverdienstkreuze macht. Wenn CDU-Stadtchef Christoph Palmer davon spricht, dass sich die Elite den Kindern "verweigert", dann entspricht das nicht meinem Verständnis von Kinderfreundlichkeit. Die Stadt soll dazu beitragen, dass Menschen sich Kinderwünsche erfüllen können. In keinem Fall darf sie Lebensentwürfe ohne Kinder stigmatisieren.
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